- Über UIKZ
Die Union Islamischer Kulturzentren in Österreich wurde im Jahr 1981 in Wien gegründet. Sie erwuchs aus dem Wunsch der Muslime nach österreichischen Gebetshäusern und Orten der religiösen Hingabe heraus. Diese wichtige Aufgabe übernahmen Muslime, die in Österreich als Gastarbeiter tätig waren und eröffneten die erste Gebetsstätte der Union im 7. Bezirk.
Seit ihrer Gründung ist die UIKZ ein friedlicher Ort, an dem Muslime unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen. Hier wird zu den Gebetszeiten, an religiösen Feiertagen und zu wichtigen religiösen Anlässen gemeinsam gebetet.
Heute ist die Union ein Fürsprecher für islamische Werte und ein Rückzogsort, für all jene, die ihrem Schöpfer nahe kommen möchten. Die Ziele, die sich in den fast 40 Jahren ihres bestehen nie geändert haben sind neben der Pflege auch die Vermittlung, Verkündung und Wahrung der islamischen Werte. Zudem werden in den Zentren des UIKZ Muslime aus ganz Österreich betreut, religiöses Wissen vermittelt und zahlreiche Einsätze zum Wohle des gesamten österreichischen Gesellschaft unternommen.
- Grundsätze
Der Verband bekennt sich zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Seine Arbeit und Ziele stehen im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Er setzt sich für das Gemeinwohl ein und fördert das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft in unserer Gesellschaft. Dabei ist gegenseitige Achtung, Respekt und Toleranz jedem Menschen gegenüber sehr wichtig.
Der Verband ist parteipolitisch neutral und beachtet das Prinzip der Überparteilichkeit. Sein Leitbild beim Dienst (hizmet) am Menschen leitet er aus dem folgenden Hadis des Gesandten Muhammed (a.s.) ab:
„Der beste Mensch ist derjenige, der anderen Menschen nützlich ist.“ (Tabarani, al-Mu’gam al-awsat, 5787)
- Religiöse Ausrichtung
Der Verband der Islamischen Kulturzentren ist eine sunnitische Religionsgemeinschaft, die in ihrer religiösen Praxis der hanafitischen Rechtsschule folgt.
Darüber hinaus bietet der VIKZ Muslimen, die sich mystisch betätigen wollen, Möglichkeiten der Ausübung bestimmter mystischer Elemente an. Die islamische Mystik (Sufismus, Tasawwuf) setzt die absolute Liebe zum Schöpfer in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns. Neben der Erfüllung der religiösen Pflichten sucht der Sufi die Gottesnähe und strebt nach der Gotteserkenntnis (marifetullah).
In seiner mystischen Ausrichtung orientiert sich der Verband an der Lehre der Naqschibendiyye, eine nüchterne sunnitische Sufigemeinschaft, die im 14. Jahrhundert in Zentralasien entstand. Unter den Gründern des VIKZ im Jahre 1973 befanden sich in Köln Schüler des Gelehrten Süleyman Hilmi Tunahan (q.s., 1888-1959), der selbst in den osmanischen Hochschulen als Theologieprofessor tätig war und auch als Murschid (Sufimeister) die mystische Lehre der Naqschibendiyye weitergab.
Elemente der islamischen Mystik:
- Der stille Zikr (zikr hafi) ist eine Form der Meditation, bei welcher der Teilnehmer sich innerlich Gott zuwendet und ihm gedenkt.
„Wahrlich, durch Gedenken an Allah werden die Herzen stille.“ (Sure 13:23)
- Ichlas-Hatm/Ichlas-Lesung: Beim Ichlas-Hatm wird die Sure 112 (Ichlas) eintausendmal gemeinschaftlich rezitiert. Dabei wird sie gleichmäßig auf die Teilnehmer verteilt.
- Sohbet bezeichnet einen religiösen Gesprächskreis, bei dem allgemeine religiöse und im Speziellen mystische Themen behandelt werden.
Süleyman Hilmi Tunahan (q.s., gest. 1959)
Süleyman Efendi kam 1888 in Ferhatlar (aktuell Delchevo/Bezirk Razgrad) im heutigen Bulgarien zur Welt. Nach Abschluss der Fakultät für Exegese und Hadiswissenschaften war er an den Fatih- und Süleymaniye Medresen als “Dersiâm” (Universalprofessor, Gelehrte höchsten Grades des Hochschulwesens im Osmanischen Reich) tätig.
Mit der Vereinheitlichung des Bildungs- und Erziehungswesens (tevhidi tedrisat) in der neugegründeten türkischen Republik wurden im Jahre 1924 die Medresen abgeschafft. Dadurch verloren tausende Professoren ihr Amt als Hochschullehrer und durften sich lediglich als Prediger betätigen. Süleyman Efendi predigte als Staatsbediensteter in den sogenannten großen Sultansmoscheen in Istanbul.
Mit der Einführung des Mehrparteiensystems ab 1946 und der Lockerung der Restriktionen im Bildungswesen durch die neugewählte Regierung gründete Süleyman Efendi ohne jegliche staatliche Unterstützung eine Privatschule für religiöse Grundausbildung (Kur’an Kursu). In kurzer Zeit bildete er viele Imame aus, die von der damaligen Diyanet İşleri Başkanlığı als Imame, Muezzine, Prediger und Muftis übernommen und in unterschiedlichen Moscheen eingesetzt wurden.
Erst nach dem Tod von Süleyman Efendi wurden in den 60er Jahren seine Schüler von manchen Kreisen diskriminiert und mit „Süleymancı“ etikettiert.
Süleyman Efendi und seine Schüler sind Angehörige des sunnitischen Islam und der hanefitischen Rechtsschule. Mystisch orientieren sie sich an der Naqschibendiyye. Diese Ausrichtungen des Islam sind fern vom Extremismus und Fanatismus und verfolgen eine moderate Linie. Süleyman Efendi hat weder eine neue Religion, noch eine neue Glaubensrichtung innerhalb des Islam noch eine neue Rechtsschule, noch einen mystischen Orden gegründet.
Nach all diesen Ausführungen gilt es festzuhalten, dass die Bezeichnung „Süleymancı bzw. Süleymancılık“ für Angehörige des Verbandes der Islamischen Kulturzentren bzw. für Schüler von Süleyman Efendi unzutreffend ist.
- Imamausbildung in Österreich
UIKZ ist der älteste und etablierteste islamische Dachverband, der seit den 1980er Jahren in Österreich tätig ist. Seit dem Tag ihrer Gründung hat sie sich zum Ziel gesetzt, auf die religiösen Bedürfnisse der muslimischen Gemeinschaft in Österreich einzugehen, Persönlichkeiten heranzuziehen, die für die Gesellschaft von Nutzen sind, und jungen Generationen die Religion des Islam auf die richtige Art und Weise zu vermitteln. Das UIKZ ist die erste und einzige Organisation in Österreich, die ihre eigenen Imame ausbildet, und behauptet seit Jahren konsequent seine Führungsrolle in diesem Bereich.
Imam-Kandidaten sind Personen, die in Österreich geboren oder aufgewachsen sind, die die Sprache, Kultur und soziale Struktur des Landes, in dem sie leben, sehr gut kennen, die gut mit der Gesellschaft kommunizieren können und die in die moderne Welt und die Gesellschaft, in der sie leben, integriert sind. Das UIKZ übernimmt daher die religiöse Betreuung der Muslime in Österreich, indem es qualifizierte religiöse Amtsträger ausbildet, die sowohl den religiösen Werten verpflichtet sind als auch die sozialen und kulturellen Gegebenheiten des Landes, in dem sie leben, gut beherrschen und eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft einnehmen können.
- Finanzierung
Das UIKZ führt alle seine Aktivitäten auf völlig transparente und unabhängige Weise durch und ist eine selbstfinanzierte Organisation, die keine finanzielle Unterstützung von offiziellen oder externen Organisationen erhält, sondern nur Mitgliedsbeiträge und freiwillige Spenden. Die Stärke und Nachhaltigkeit des UIKZ beruht auf den Beiträgen seiner Unterstützergemeinschaft und philanthropischer Einzelpersonen.